Splitter 5

 

HJB Smalltalk mit Cpt. Krause

                                                 

Rainer Castor ist nicht nur bei PERRY RHODAN-Lesern ein bekannter Name, der mit umfangreichem Wissen über den geschichtlichen Hintergrund und Technik der
Romanserie in Verbindung gebracht wird.

Doch auch bei Atlan kennt er sich bestens aus.

Nach seinen Romanen GEA, DIE VERGESSENE WELT und DER BLUTVOGT (bei Heyne als Taschenbuch inzwischen in der 3. Auflage!) taucht sein Name in den
ATLAN-Buchausgaben (Bände 1-13), von Hanns Kneifel immer wieder lobend zitiert, auf.

Kurze Zeit später präsentierte er sein erstes PERRY RHODAN-Taschenbuch, Held der Geschichte: der Unsterbliche Atlan.

Es folgten weitere PR-Taschenbücher mit dem Arkoniden und schließlich auch Romane zu der ATLAN Miniserie TRAVERSAN.

Nach seinem Einstieg als Autor bei PERRY RHODAN übernahm er unter anderem die ATLAN-Buchausgabe und verfasste als Fortsetzung zu den nun komplett
erschienenen "Zeitabenteuern" die "Arkon-Trilogie" (Bände 14-16).

Mit DER KRISTALLPRINZ (Band 17) präsentierte uns Rainer Castor den ersten Band der "Jugendabenteuer" von Atlan. Seit kurzem sind mit Band 18 DIE FOLTERWELT und Band 19 PIRATEN DER STERNE die Fortsetzungen auf dem Markt.
Grund genug sich mit dem vielbeschäftigten Mann zu unterhalten...

 

Cpt. Krause:

Herr Castor, Ihrer Tätigkeit für die Romanserie PERRY RHODAN umfasst das Erstellen der Datenblätter der Exposés, Verfassen von Kommentaren in den Heften,
Erfinden fiktiver, aber stimmiger Technik, das Schreiben von Romanen, sowie Überarbeiten der ATLAN-Heftserie. Kommen Sie privat eigentlich noch zum Lesen?

Rainer Castor:

Seit einer geraumen Zeit leider nicht. Mehr als ein erstes Sichten und Überblättern des ständig wachsenden Stapels ist nicht möglich.

Aber, zum Beispiel liegen - unter anderem - noch Andreas Eschbachs JESUS VIDEO und QUEST (leider) ungelesen bereit; die dürften wohl als erstes an der Reihe sein.

 

Cpt. Krause:

Von welchem Titel waren Sie zuletzt so richtig begeistert?

Rainer Castor:

Im PERRY RHODAN-Rahmen von Uwe Antons Doppelband 2069/70. Bei den historischen Romanen von Hanns Kneifels DIE SPUR DES WIDDERS.

 

Cpt. Krause:

Jahrzehnte nach dem Erscheinen der ATLAN-Heftserie, in den Zeiten von Harry Potter und unzähligen Teenie-Serien im Fernsehen und Kino, denken einige Leute bei dem
Schlagwort "Atlans Jugendabenteuer" eher an Bücher für Kinder oder Jugendliche. Was versteckt sich aber wirklich dahinter?

Rainer Castor:

Hhm, verbindet sich das wirklich mit dem Schlagwort? Ich sehe das etwas anders, denn immerhin startete dieser Abschnitt mit dem 17. Band einer eingeführten
Buchreihe, in denen zunächst die "Zeitabenteuer" und dann die "Arkon-Trilogie" behandelt wurden.

Dennoch zur Erklärung: Im Rahmen der insgesamt 850 Romane umfassenden ATLAN-Heftserie erschienen zwischen 1973 und 1977 unter dem Titel "Atlan-exklusiv - Der
Held von Arkon" insgesamt 160 Romane, die sich mit Atlans Jugendzeit im Sternenreich der Arkoniden und seinem Kampf gegen den Mörder seines Vaters befaßten.
Diese Hefte werden nun von mir bearbeitet, so daß jeweils fünf zu einem Buch zusammengefaßt sind und einen fortlaufenden Romantext ergeben.

 

Cpt. Krause:

Man merkt nicht nur Ihren Texten mit Atlan, sondern auch Ihrem Enthusiasmus auf Cons an, wenn das Thema auf Atlan und Arkon fällt: Wie kommt es zu Ihrer
Begeisterung für den Arkoniden und sein Volk?

Rainer Castor:

Zunächst zu Atlan: Er ist eine absolut faszinierende Gestalt mit Ecken und Kanten, langlebig, erfahren, souverän und den Genüssen von "Wein, Weib und Gesang"
keineswegs abgeneigt... ;-) In seinem Lebenslauf verbinden sich überdies die Welten der Science Fiction mit der Historie der Erde, eine für mich ebenfalls höchst
interessante Kombination.

Ähnliches gilt für die Arkoniden: In ihrem Sternenreich wird High-Tech auf der einen Seite mit feudalen Strukturen und dem damit verbundenen Pomp, den Intrigen und
Machenschaften auf der anderen Seite kombiniert. Genau das also, bei dem ein Autor mit seinen Geschichten "in die Vollen" gehen kann.

Der leider viel zu früh verstorbene Kollege Peter Terrid hat das einmal treffend mit folgendem Beispiel verdeutlicht: Man stelle sich die Arkoniden und ihr Großes Imperium
ähnlich vor wie das Britische Empire auf der Höhe seiner Macht, ein weltumspannendes Herrschaftsgebiet, in dem "die Sonne nicht untergeht", verbunden mit britischer
Exzentrik und "Arroganz", ihrem Auftreten beispielsweise in Indien oder anderen Kolonien, dem ganzen Drum und Dran mit Traditionen, Adel, Monarchie und so weiter.

 

Cpt. Krause:

Die PERRY RHODAN-Silberbände werden aufwendig und behutsam bearbeitet. Kürzen Sie ebenfalls so stark wie nötig, aber dennoch so wenig wie möglich?

Rainer Castor:

Selbstverständlich. Das Konzept sieht vor, daß sämtliche (!) 160 Heftromane Eingang in die Buchreihe finden werden. Hierzu ist es natürlich notwendig und unvermeidlich,
daß viele Passagen bearbeitet, manches gekürzt und Überleitungen hinzugefügt werden, um aus den fünf Einzelheften pro Buch jeweils einen geschlossenen Roman zu
machen. Trotz dieser möglichst sanften Eingriffe soll das Ergebnis den Originalen und ihrem Flair recht nahe kommen. Ich hoffe, es gelingt. Das zu entscheiden und zu
bewerten ist allerdings Sache der Leserinnen und Leser.

 

Cpt. Krause:

Wie sind die bisherigen Leserreaktionen auf die Überarbeitung? Kommt die Reihe beim Leser an? Kann man auf eine baldige höhere Produktionsfrequenz hoffen?

Rainer Castor:

Die Reaktionen sind ausgesprochen positiv, wie ich zuletzt auch auf dem Con in Garching hören durfte. Das freut mich natürlich! Noch liegen aber keine exakten Zahlen
vor; mit Band 18 erschien ja soeben erst das zweite der "Jugendabenteuer". Deshalb ist wohl vor Ende des nächsten Jahres auch noch keine Entscheidung hinsichtlich
einer höheren Produktionsfrequenz zu erwarten. Ganz davon abgesehen, daß ich das zeitlich auf die Reihe bringen muß... (seufz).

 

Cpt. Krause:

Auf was kann sich der ATLAN-Leser in Zukunft freuen? Gibt es wieder eine ATLAN-Miniserie in Form einer 12teiligen Heftromanreihe, wie damals mit TRAVERSAN?

Rainer Castor:

Zunächst wird es selbstverständlich die "Jugendabenteuer" geben. Jeder kann sich ausrechnen, wie viele Bücher es bedarf, um die 160 Heftromane unterzubringen.
Momentan erscheinen zwei Bände pro Jahr. Es hängt letztlich vom Verkaufserfolg ab, ob wir eventuell den Erscheinungsrhythmus beschleunigen.

Zum zweiten sei auf die Reihe "Moewig fantastic" verwiesen: Dort ist mit KRISTALLPRINZ IN NOT schon ein erstes neues (!) Zeitabenteuer aus der Feder Hanns Kneifels
erschienen, im Herbst wird das nächste folgen.

Auf die TRAVERSAN-Bände baut das dieser Tage ebenfalls in der "Moewig fantastic"-Reihe herauskommende Buch FLUCHTPUNKT SCHEMMENSTERN auf. Autor ist
Frank Borsch, der schon ein Heft zu der Miniserie beigesteuert hat.

Eine nochmalige Miniserie wäre zwar wünschenswert, ist auf absehbare Zeit jedoch leider aus "Kapazitätsgründen" von uns nicht umzusetzen.

Dafür können die Leser Atlans Abenteuer an Bord der SOL im Rahmen der aktuellen PERRY RHODAN-Handlung mitverfolgen.

 

Cpt. Krause:

Herr Castor, vielen Dank für das Gespräch.