Splitter 3

 

»Damit ist auch ein gerüttelt Maß an Verantwortung verbunden.«

Ein Interview mit Rainer Castor

geführt von Klaus Bollhöfener
 
 

veröffentlicht im JAHRBUCH 1999 der PRFZ – Perry Rhodan FanZentrale – Frühjahr 1999



 

Gleich in mehrfacher Hinsicht hat sich der Autor Rainer Castor 1998 hervorgetan: Er legte nicht nur das PERRY RHODAN-Taschenbuch »Das Versteck der Sternengarde« vor, er arbeitete als Atlan- und Arkon-Experte auch an der Traversan-Miniserie mit und verfaßte dazu gleich noch einen Materialienband über die Welt des Großen Imperiums. Gegen Ende des Jahres wurde Castor schließlich in die Riege der PERRY RHODAN-Heftautoren berufen. Grund genug für Klaus Bollhöfener, ein Gespräch mit dem »Aufsteiger des Jahres« zu führen.
 
 

Klaus Bollhöfener: Hans Kneifel hast Du viele Jahre bei der Datenrecherche seiner ATLAN-Bücher unterstützt. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Hans?

Rainer Castor: Mit der Zeit immer besser ... Aber ernsthaft: natürlich gab es anfangs gewisse Abstimmungsprobleme, die sich auch dadurch einstellten, daß beispielsweise vor allem HC-1 – unsere Abkürzung für die Hardcover-»Blaubände« – unter ziemlichem Zeitdruck entstand und zur Buchmesse 1992 fertig sein sollte. Hinzu kam, daß Hans und ich uns überhaupt erst mal über die genaue Art der Zusammenarbeit klar werden mußten. Was konnte aus den Taschenbüchern »unbesehen« übernommen werden? Wo waren Korrekturen nötig (abgesehen von den stilistischen Änderungen und dergleichen, die Hans vorzunehmen gedachte)? Welche Daten wurden benötigt? Wie lassen sie sich am einfachsten in die Texte einbauen? Dinge dieser Art.

Am Anfang stand also dann zunächst die Einteilung der ins jeweilige HC einfließenden Taschenbücher – 4 Stück pro HC – sowie die damit verbundene genaue Festlegung der Handlungszeiten, also Tiefschlafdauer, Oberflächenaufenthalt, ggf. einige geschichtliche Eckdaten wie Herrscherzeiten usw.

Dieses in Form einer Liste zusammengefaßt ging per Post/Fax an Hans, der sich dann bemühte, sie an den passenden Stellen ins HC einzubauen. Mitunter ergaben sich dabei Unstimmigkeiten, weil ich zunächst seine Manuskripte nicht zu sehen und in ein oder zwei Fällen auch die Druckfahnen erst so spät zum Gegenlesen bekam, daß Nachkorrekturen nicht mehr möglich waren ...

Auf diese Weise gab es ein paar ärgerliche, weil eigentlich vermeidbare Fehler in den ersten HCs. Das Zusammenspiel wurde jedoch von HC zu HC besser, unter Ausnutzung moderner Kommunikationsmöglichkeiten war es auch recht schnell – also Fax, Telefonate, Briefe... Hach, leider ist Hans nicht vernetzt, und auch ich nutzte damals noch nicht die bequeme und wirklich sehr schnelle Übermittlungsform von eMails ...

Daß zwischendurch nicht ganz klar war, wie viele HCs es denn geben würde und wir mehrmals entsprechend umdisponieren mußten, ist hierbei ein Thema für sich. Hans’ Idee/Vorschlag, ab etwa HC-5 neben 3 alten Taschenbücher den Umfang/Inhalt eines weiteren, neu zu schreibenden (!!) in die HCs einfließen zu lassen, so daß neben den »bekannten« Zeitabenteuer-Inhalten auch neues für die LeserInnen geboten würde, wurde leider zu unser beider Bedauern »gekänzelt« ... – ob diese Verlagsentscheidung letztlich richtig oder falsch war, lasse ich offen, weil Schnee von gestern.

Am besten klappte es schließlich bei den letzten drei HCs (11-13), u.a. auch deshalb, weil Hans und ich sie »in einem Rutsch« durchackerten und er mir, nachdem er entsprechend dem oben genannten Vorgehensschema die Manuskripte erstellt hatte, die Texte zur »Nachkorrektur« zuschickte und diese erst dann von mir an den Verlag weitergeleitet wurden. Während meine »Eingriffe« in HC-11 und -12 noch vergleichsweise gering ausfielen, waren sie bei HC-13 dann doch schon – wie schon an anderer Stelle berichtet – deutlich massiver. Ich hoffe, es hat der Lesbarkeit und der Abrundung der Geschichte insgesamt gut getan.

Hans und ich haben jedenfalls das beste getan. Die abschließende Beurteilung haben die LeserInnen.

Klaus Bollhöfener: Du bist als ausgezeichneter Kenner der ATLAN-Materie bekannt. Es gibt zumThema Atlan drei Taschenbücher von Dir, drei Bände des Traversan-Zyklus und die Texte zumATLAN-Sonderheft hast Du auch geschrieben. Atlan und kein Ende?

Rainer Castor: Sieht fast so aus. Ist mir aber ganz recht! Ich kann nicht verhehlen, daß mir die Gestalt des alten Arkoniden sehr ans Herz gewachsen ist und mir ihre Darstellung offensichtlich ganz gut gelingt, wobei das eine durchaus das andere bedingt. Ich finde Atlan in seiner ganzen Anlage und Charakteristik faszinierend und hoffe, daß ich dieses auch entsprechend in meinen Texten weitergeben kann, so daß die LeserInnen es ähnlich sehen. Und wenn man mich läßt, werde ich versuchen, auch in Zukunft dem unsterblichen Arkoniden noch die eine oder andere »unbekannte Facette« seiner Persönlichkeit bzw. seines langen Lebens zu entlocken. Was letztlich tatsächlich realisiert werden kann, steht zur Zeit in den Sternen – soweit es Dinge betrifft, die über die schon bekannten, also z.B. die neue ATLAN-Bücher, hinausgehen.

Klaus Bollhöfener: Wie gestaltete sich die Mitarbeit am Traversan-Zyklus? Konntest Du eigene Ideen einbringen, oder hat Robert Feldhoff als Exposé-Autor da nicht mit sich reden lassen?

Rainer Castor: Die grundsätzliche Handlungskonzeption geht auf Robert zurück, und ich denke, daß er da ein feines Stück Arbeit abgeliefert hat! Meine Aufgabe war es hierbei vor allem, diese Handlungskonzeption in die arkonidische Umgebung des Großen Imperiums einzufügen und etwaige Unstimmigkeiten von vornherein auszuschalten. Hinzu kam alles, was zum Begriff »Datenexposé« zu rechnen ist: Also Festlegung und Beschreibung der Schauplätze, die genauere Charakterisierung der Protagonisten, ihr Aussehen, Kleidung etc. auf der Basis von Roberts Vorgaben und Dinge dieser Art.

So entstand beispielsweise vorab ein recht umfangreicher »Datenreader« zur Autoreninformation – einiges davon ist dann in den ziemlich kurzfristig hinzugekommenen Sonderband eingeflossen (für die Zusammenstellung und Ausformulierung der Texte blieben mir... ähm-hüstel, ganze drei Tage; dieses als kleiner Hinweis an die Adresse all jener LeserInnen/Kritiker, die mit dem Sonderband nicht ganz so zufrieden waren ...).

Als es darum ging, einen »letzten Gonozal« als Gegner Atlans zu kreieren, war es meine Aufgabe, hierzu eine passende und in sich stimmige Hintergrundgeschichte zusammenzustellen, die Robert dann mit Cooligars Eyemalin-Sucht bereicherte.

An einigen Punkten gab es zwischen Robert und mir naturgemäß auch Diskussionen, doch letztlich ließen sich sämtliche Differenzen zur – wie ich hoffe – beiderseitigen Zufriedenheit ausräumen und wir haben uns prima »zusammengerauft«. In den Haupthandlungsablauf habe ich mich dementsprechend weniger »eingemischt«; das war, weil mir die Konzeption durchaus gefiel, i.a. auch gar nicht nötig. Ganz abgesehen davon, daß ich ein absolut lausiger (!!) Exposé-Schreiber bin und mich schon bei meinen eigenen Sachen schwertue, entsprechende Expos zu verfassen – ganz zu schweigen also davon, wenn diese für andere sein sollen und von den Kollegen umgesetzt werden müssen ...

Im Einzelnen sah die Zusammenarbeit so aus, daß Robert mir zunächst seine Expo-Entwürfe zumailte. Ein Hoch auf die moderne Technik; auf rein postalischem Wege – also dem Hin- und Herschicken von Briefen mit entsprechenden Laufzeiten – hätten wir, weil ziemlich unter Zeitdruck stehend, den Traversan-Zyklus niemals auf die Reihe gebracht!

Die datenbezogenen Angaben darin, welche im allgemeinen zu ergänzen/festzulegen waren, hatte Robert mit einen einfachen (Castor) markiert; dies betraf vor allem die Datenblätter im Anschluß an die eigentlichen Expo-Texte, aber auch gewisse Details in den Texten selbst.

Ich habe dann das Ganze ergänzt, an einigen Stellen z.T. umformuliert oder »interne Fußnoten« mit Anmerkungen hinzugefügt und Robert wieder zugemailt. In fast allen Fällen (!!) hat Robert dieses dann übernommen und die endgültige Expo-Fassung erstellt, welche dann an Redaktion und so schnell wie möglich die Autoren ging – denn auch das Schreiben der eigentlichen Romane geschah unter beachtlichem Zeitdruck.

Der eine oder andere Fehler, der sich dabei eingestellt hat und trotz mehrfacher Gegenkontrolle doch noch durchgerutscht ist, mögen uns die LeserInnen bitte verzeihen, aber wir sind auch nur Menschen – ja, ja: Autoren sind keine »entrückten Wesen«, ganz im Gegenteil!

Zusammengefaßt war die Zusammenarbeit mit Robert also sehr erfreulich, produktiv und hat zumindest mir sehr viel Spaß gemacht; Robert anscheinend auch – aber dazu mußt Du ihn selbst befragen.

Unter dem Strich ist, denke ich, mit dem Traversan-Zyklus ein wirklich sehens- sprich lesenswertes Ergebnis herausgekommen, und mir persönlich haben sämtliche Romane ziemlich gut gefallen, was durchaus was heißen will! Wenn es die LeserInnen ähnlich sehen/gesehen haben, haben wir das uns gesteckte Ziel erreicht – was nicht heißen soll, daß es »beim nächsten Mal« vielleicht nicht noch besser gemacht werden könnte/sollte!

[Zum Zeitpunkt, da dieses Interview geführt wird, sind noch nicht alle Traversan-Bände erschienen und demzufolge auch noch keine abschließenden Leserreaktionen eingegangen. Hauptkritik scheint aber zu sein, daß die von uns betont in den Vordergrund gerückte Action nicht uneingeschränkte Zustimmung findet, weil der »mystische/kosmische Touch« etwas zu kurz kommt. So ganz kann und will ich diese Beurteilung nicht nachvollziehen: Wir haben es mit einem von vornherein auf 12 Hefte beschränkten Mini-Zyklus zu tun, und da dürfte eigentlich klar sein, daß wir – auch mit Blick auf Neuleser! – nicht in kosmische Höhenflüge und Zusammenhänge »abdriften« können, wo doch für Vergleichbares in der PR-Serie ganze Großzyklen benötigt werden! Nicht zuletzt sind die 12 Traversan-Bände zunächst ein Versuch, ob und wie ein solches Konzept überhaupt bei der Leserschaft ankommt!]

Klaus Bollhöfener: Nach dem Abschluß der ATLAN-Zeitabenteuer mit Band 13 der Buchreihe schreibst Du nun an neuen Abenteuer des unsterblichen Arkoniden. Was kannst Du zu den neuen ATLAN-Büchern sagen?

Rainer Castor: Hhm, wer hierzu ausführlicheres wissen möchte, sei auf meinen Beitrag in SOL 12 sowie den REPORT-Werkstattbericht zu den neuen ATLAN-Büchern verwiesen.

An dieser Stelle deshalb nur eine, ähm ... »Kurzfassung«:

HC-14 fährt in Atlans persönlicher Chronologie nach Abschluß der 13 Zeitabenteuer-Bände fort, d.h. der dreizehnte Band endete mit dem Umschwenken auf Atlans erstes Erscheinen im PR-Kosmos des Heftes Nr. 50. Der Zyklus »Atlan und Arkon« behandelte dann das weitere Geschehen, um von PR 99 nach PR 100 einen Zeitsprung einzulegen, wodurch ein Großteil von Atlans Imperatorenzeit quasi unter den Tisch fiel.

Aber die 1961 gestartete Serie hieß und heißt ja nicht ATLAN, sondern PERRY RHODAN, und für uns Autoren ist es stets auch überaus reizvoll, in diese zwischendurch klaffenden Lücken vorzustoßen und mit »eigenem Leben« zu erfüllen.

Atlan befindet sich nun im Kampf mit seinen mehr oder minder heruntergekommenen Artgenossen des 21. Jahrhunderts und steht als Imperator an der Spitze eines kaum überschaubaren Machtgebildes, aber auch Gefahren gegenüber, die aus tiefer Vergangenheit erwachsen.

Das Ganze in einem Medium, das in dieser Form für PERRY RHODAN eine Premiere darstellt: Da schlägt das Autorenherz gleich um eine ganze Reihe von Takten höher und schneller! Und ich bin mächtig stolz darauf, daß mir von Verlagsseite das nötige Vertrauen entgegengebracht wurde und wird! Kurz noch ein Wort (oder ein paar ...) zum Stichwort »Premiere«: Hier gebührt der Verlagsunion Pabel-Moewig, Herrn Maurer als Verantwortlichem für den Bereich Buch und nicht zuletzt (oder vor allem) Klaus N. Frick für sein Ringen darum großen Dank, daß sie ein solches Experiment wagen!

Ein paar Andeutungen zur Handlung der neuen HC's gab es ja schon in den Traversan-Bänden bzw. im parallel dazu veröffentlichten Sonderheft.

Atlan ist also nach 10.000 Jahren endlich in seine Heimat zurückgekehrt, doch die hat sich bekanntlich ziemlich verändert – und unser weißhaariger Arkonhäuptling, nach ungezählten Abenteuern bei und mit seinen haß-geliebten Larsaf-Barbaren (ja, schon gut, die Barbarinnen werden natürlich ebenfalls erwähnt ...), naturgemäß auch.

Daß Atlan überdies einen Auftrag von ES erhält und die Superintelligenz auf die ihr typische Orakelweise von »Erwachenden Legenden« schwadroniert, erleichtert die Aufgabe des Imperators von Arkon keineswegs. Denn auch die galaktopolitische Situation ist eindeutig: Sogar im Niedergang umfaßt das Große Imperium immerhin rund 50.000 besiedelte Welten mit insgesamt mehr als 50 BILLIONEN Einwohnern, eine Galaktische Großmacht, der gegenüber Rhodans erst im Aufbau begriffenes Solares Imperium fast lächerlich anmutet, vergleichbar einem arkonidischen Fürstentum, sofern nicht das schon zu hoch gegriffen ist, werden einem solchen doch im allgemeinen 100 und mehr besiedelte Sonnensysteme zugeordnet.

Was es mit den »Erwachenden Legenden« genau auf sich hat, werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten, nur soviel sei gesagt: Es hängt mit dem in Galaktischen Sagen und Erzählungen verbrämt erwähnten »Großen Galaktischen Krieg« zusammen – und wer von Euch spekulieren möchte, sollte mal alles (!) zusammentragen, was mit dem Stichwort »vor rund 1,2 Millionen Jahre« in Verbindung gebracht werden kann, und das ist einiges!!

Im Verlauf der Trilogie wird Atlan es mit einem »Neutronenstern-Oktaeder« zu tun bekommen, von dem eine gewaltige Gefahr ausgeht, besser gesagt: von jenen, die ihn für eigene Zwecke benutzen/mißbrauchen wollen – und vielleicht auch werden ...

Raumnomaden und vor allem die Gijahthrakos spielen eine wichtige Rolle – letztere hatten ihren »ersten Auftritt« ja schon in Traversan-Band 4.

Fast noch wichtiger ist der Planet ZYHGOR, der sich (unter anderem...) als vormalige »ES-Kontaktstelle« der Arkoniden erweist. Den Skeptikern unter Euch sei in diesem Zusammenhang PERRY RHODAN-Bd. 19 empfohlen; dort äußert sich ES ziemlich eindeutig – hinsichtlich den Arkoniden, den ihnen gegebene Chance rings um die berüchtigten »20.000 Jahre« und was der Dinge mehr sind; vor allem, wenn man das Ganze konsequent zu Ende denkt ...

Bevor Atlan all diese Informationen jedoch zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammensetzen kann – manches wird ihm in voller Bedeutung ohnehin erst sehr viel später klar werden; in dieser Hinsicht sind die LeserInnen, die die PERRY RHODAN-Serie und ihren Verlauf kennen, dem »Beuteterraner« des 21. Jahrhunderts gegenüber naturgemäß im Vorteil! –, muß er eine ganze Reihe von Schwierigkeiten überwinden, u.a. hat er es mit den fanatischen Tekteronii zu tun.

Vor allem braucht er aber Helfer und Verbündete. Zum Glück ist das Große Imperium wirklich groß, es besteht nicht nur aus dekadenten Arkoniden, und in der »ruhmreichen Vergangenheit« verbirgt sich ebenfalls der eine oder andere Schatz, den man nur heben muß: So erfährt Atlan beispielsweise, was es mit dem Projekt einer »Großen Feuermutter« auf sich hat, er kann sich der Hilfe der Gijahthrakos versichern, und natürlich stehen ihm auch viele »alte Vertraute«, meist terranischer Herkunft, zur Seite – als Appetithappen ein paar Namen: Kitai Ishibashi, Peter Kosnow, Tombe Gmuna, Fron Wroma, Ras Tschubai, Laury Marten, Tatjana Michalowna, Julian Tifflor – als neuer Terra-Botschafter auf Arkon –, Betty Toufry, Harno ...........

Die Atlan gegenüber stehende Gefahr(en) ist(sind) in der Tat GEWALTIG, dadurch wird sich das, was ihm an Mitteln und Möglichkeiten mit der Zeit zur Verfügung stehen wird, recht schnell sehr stark relativieren ... – die TERROR-MONDE und der SONNENKILLER sind nur ein »Vorgeschmack« auf den »Neutronenstern-Oktaeder« ...

Was ihm letztlich unter dem Strich bleiben wird, ist wiederum ein ganz anderes Thema; obwohl es ja treffend heißt, daß Erfahrung ein Wert für sich sei.

Ich denke, das sollte als »Vorabinfo« zunächst genügen.

Klaus Bollhöfener: Seit Anfang Dezember 1998 ist es offiziell: Du wurdest in das Autorenteam der PERRY RHODAN-Serie berufen. War das immer Dein Ziel?

Rainer Castor: Ehrlich gestanden: Nein!!

Mein Ziel oder meine Ziele haben sich nur ganz langsam entwickelt. Als ich vor nunmehr rund 25 Jahre zu Schreiben begann, waren die Ergebnisse nur für den »Hausgebrauch« gedacht. Anfang der 80er Jahre kam dann der konkrete Wunsch auf, aus Hobby letztlich Beruf zu machen, doch die Schwierigkeiten, bis dies umgesetzt werden konnte, lassen sich durchaus mit »Durststrecke« umschreiben, die zeitweise alles andere als einfach war.

Ein Einstieg in die PR-Serie wurde meinerseits jedenfalls nie angestrebt – welcher, das nur nebenbei, ohnehin weniger vom Autor auszugehen hat, als vielmehr vom »Ruf der Redaktion« abhängig ist!!

Das mag vielleicht manchen in der Leserschaft verwundern, entspricht aber der Tatsache! Mir kam es aber vielmehr darauf an, mich überhaupt erst mal als Autor etablieren zu können – und die »Kneifel-Schule« war hierbei, was die Vermittlung gewisser handwerklicher Grundkenntnisse betrifft, überaus hilfreich! Daß in vergleichsweise kurzer Zeit drei TBs von mir erschienen, steht dieser Aussage nicht entgegen, denn schon deren Konzeption – aufs Ganze betrachtet – zeigt, daß mir eher eine gewisse »epische Breite« liegt (oder zum Vorwurf gemacht werden muß ...). Entsprechend fiel ja auch der Umfang von »GEA« und »Der Blutvogt« aus, wobei mir letzterer als beim Haffmans Verlag erschienenen historischen Roman sogar gewisse »höhere literarische Weihen« bescherte – u.a. in Gestalt des »Sommerseminars für hochbegabten schriftstellerischen Nachwuchs« (ich kann nix dafür, der »Titel« des Stipendiums heißt nun mal so ...); ob berechtigt oder nicht, lasse ich mal offen. Das sollen andere beurteilen.

Jedenfalls war mit diesen Veröffentlichungen zunächst mal das »Ziel« insofern erreicht, als ich seit Mitte 1997 ausschließlich als freiberuflicher Autor tätig bin/sein darf. Der nächste Schritt war nun, ausreichend mit Aufträgen versorgt zu sein, denn »ohne Moos nix los« oder so.

Daß sich dann recht schnell die Gelegenheit mit den ATLAN-Büchern und der Mitarbeit beim Traversan-Zyklus ergab, konnte mir nur recht sein, war in dieser Form aber weder vorherzuplanen noch zwangsläufig. Auch zu diesem Zeitpunkt dachte ich keineswegs an einen Einstieg in die Rhodan-Serie, unter anderem deshalb, weil dort in den letzten Jahren z.T. Entwicklungen/Handlungen abliefen, die mich nicht so sehr reizten – es gibt ganze Abschnitte, die ich nur quergelesen oder direkt abgelegt habe.

In meiner persönlichen »Planung« standen also die ATLAN-Bücher und ggf. weitere Taschenbücher auf der Liste, so daß die Einstellung der TBs bei BSV dazu führte, daß einige Vorabarbeiten/-recherchen (zunächst ...) mal ad acta gelegt werden mußten. Nicht vergessen werden sollte in diesem Zusammenhang, daß sich meine schriftstellerischen Erfahrungen zunächst eher auf längere Texte/Romane bezogen und weniger auf die Arbeit nach Exposés und Heftlänge. Dieses »Manko« konnte zwischenzeitlich mit den drei Traversan-Bänden gewissermaßen ausgebügelt werden.

Daß letztlich recht schnell der »Berufung« in die PERRY RHODAN-Serie folgte, war dann zwar weniger überraschend, nicht jedoch Ergebnis eines angestrebten »Zieles«. Hauptgrund waren bei dieser Entscheidung ohnehin eher »internes Jammern und Fluchen« eines gewissen Redaktörs, der’s bekanntlich schwör hat, sowie offenbar »argumentativ starkes Parteinehmen« eines gewissen Klaus B. (kennst Du den ...??) – doch diesbezüglich sollte vielleicht Letzterer seinen eigenen Kommentar abgeben ...

Langer Rede, kurzer Sinn: Nein, Freunde, der Einstieg ins Autorenteam wir keineswegs mein »Ziel«. Daß es nun allerdings doch dazu kam, ist schon eine Freude, macht stolz und zwingt zur Bescheidenheit, denn damit ist auch ein gerüttelt Maß an Verantwortung verbunden, da in Fußstapfen eines Karl Herbert Scheer, Willi Voltz, Kurt Mahr, Peter Griese und all die anderen Autoren, die für PERRY RHODAN geschrieben haben und noch schreiben, zu treten ist. Ich hoffe, daß sich diese Fußstapfen nicht als zu groß erweisen. Versprechen kann ich jedoch, daß ich mein Bestes geben werde!

Klaus Bollhöfener: Vorausgesetzt man ließe Dir freie Hand – was würdest Du bei der PERRY RHODAN-Serie gerne verändern?

Rainer Castor: Schwierige und problematische Frage, und ich werde den Teufel tun, darauf als »frischgebackenes Team-Mitglied« zu antworten! Wer sich zum falschen Zeitpunkt zu weit aus dem Fenster lehnt, fällt leicht hinaus ...

Ganz ernsthaft: Ich habe schon meine eigenen Vorstellungen, doch die beziehen sich auf Handlungskonzepte, Ideen und Recherche-Ergebnisse, welche weniger mit der Fortentwicklung der Serie zu tun haben, als damit, was ich persönlich gerne schreiben würde. Ob sich diese Dinge realisieren lassen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Abgesehen davon: Ich kenne zwar nun die laufenden Exposés und die nach und nach eintrudelnden Manuskripte der Autoren, doch wie die Entwicklung der PR-Serie genau sein wird, hängt in erster Linie von dem ab, was Robert und Ernst in mitunter mühevoller Arbeit als Expo-Factory abliefern. Erst wenn diese Ergebnisse vorliegen, läßt sich über möglicherweise einzubringende Vorschläge meinerseits diskutieren, z.B. im Rahmen der Autorenkonferenz, keinen Augenblick früher!

Klaus Bollhöfener: Du hattest ja schon die Gelegenheit, einige Exposés zum neuen Handlungsabschnitt MATERIA zu lesen. Dein Eindruck?

Rainer Castor: Hier gilt ähnliches wie zur vorigen Frage; hinzu kommt, daß wir ja nicht zuviel vorab verraten wollen.

Deshalb nur einige grundsätzliche Punkte: Der erste Gesamteindruck ist durchaus faszinierend, und kann, passend umgesetzt, als sehr vielversprechend umschrieben werden! Wie stets steckt aber auch hier der Teufel im Detail, und da bleibt abzuwarten, ob und wie das Team ... ähm, wir als Team, einschließlich meines bescheidenen Beitrags (daran muß ich mich erst noch gewöhnen ...), die Expo-Vorgaben in möglichst spannende, überragende, spitzenmäßige usw. usw. Romane gegossen bekommen. Inwieweit es gelingt, wird sich zeigen.

Mehr möchte ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu diesem Thema sagen.

Klaus Bollhöfener: Welche Pläne gibt es für die Zukunft und – haben diese auch mit Atlan zu tun?

Rainer Castor: »Pläne?« Moment, ich schau mal im Terminkalender nach, wo noch was frei ist ...

Spaß beiseite: Fest steht, daß ich mit meiner Berufung ins Autorenteam von dieser Seite her schon mal, ironisch formuliert, den einen oder anderen Roman zu schreiben habe. Dann stehen die ATLAN-Bücher 15 und 16 an, jeweils vom Umfang her etwa 4 Taschenbüchern vergleichbar. Konkret festgezurrt ist die Arbeit für die ATLAN-Zeitabenteuer-CD und absehbar auch – vielleicht mit gewissen Abstrichen, was die Terminierung betrifft – die, die sich auf die CD »Terrania Institut of Technology« bezieht.

Schon von dieser Seite her wird 1999 also ziemlich ausgebucht sein!

Darüber hinausgehende »Pläne« sind also eher gewisse Wünsche, z.B. dergestalt, daß über das »Aus« der TBs hoffentlich noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, daß es »eigentlich« an der Zeit wäre, eine weiteren historischen Roman ins Auge zu fassen, da nun »Der Blutvogt« als Taschenbuch bei Heyne erscheint, daß im Regal die Anfänge der »GEA«-Fortsetzung(en) auf endgültige Bearbeitung/Fortführung warten, oder daß die LeserInnen so vom Traversan-Zyklus und von den ATLAN-Büchern begeistert sind, daß wir (lacht) »quasi gezwungen sind«, beides fortzuführen ...

Etwa in diese Richtung laufen meine »Pläne für die Zukunft«, und dies beantwortet indirekt den zweiten Teil Deiner Frage: Sie haben ganz sicher was mit Atlan zu tun! Allerdings liegt die Umsetzung nicht allein an mir! Leserwünsche, Verkaufserfolg und nicht zuletzt Entscheidungen, die in der PERRY RHODAN-Redaktion getroffen werden, haben hier deutlich mehr Gewicht, als Wünsche/Pläne eines einzelnen Autors.

Ich für meinen Teil lasse mich da durchaus auch ein bißchen überraschen, da man, wenn die »Planungen« zu weit in die Zukunft reichen, durchaus die Stolpersteine direkt vor der Nase übersehen kann.

Herzlichen Dank für das Gespräch!